Auch für die diesjährige Fußwallfahrt brachte die Corona Pandemie Einschränkungen. Eine Drei-Tages-Tour, wie in den letzten 13 Jahren, mit Übernachtung in Gemeinschaftsunterkünften war nicht möglich.

So hatte man sich für eine Tageswegstrecke vor Ort entschieden. 23 Teilnehmer machten sich am Samstagmorgen von der Mariengrotte in Vockenrod aus auf den Weg nach Neustadt zur Forstkapelle „Maria Bild“. Bestes Spätsommerwetter trug mit dazu bei, einmal mehr Plätze und Wegstrecken in der eigenen Heimat zu besuchen, die man noch nicht kannte oder gar seit Kindertagen nicht mehr besucht hatte.

Wie in den vergangen Jahren lag die Vorbereitung und Durchführung in den Händen von Susanne Botthof-Schlitt und  Diakon Reinhold Konle. So galt es gut 23 km mit acht Wegstationen zu bewältigen an denen thematische Impulse zu Maria, Kirche, Glauben und Alltag zum Nachdenken, Querdenken und Umdenken anregten.

Eine harmonische Gemeinschaft konnten die Teilnehmer an diesem Tag  erfahren und erreichten nach Stationen an der Mariengrotte Vockenrod, Mariengrotte Seibelsdorf, Bildstock an der Spitze, Mariengrotte am ehem. Schwesternhaus in Ruhlkirchen, Ev. Kirche, Bernsburg, Drei-Herrenstein, Neustadt, Kolpingkreuz, Neustadt pünktlich um 17.00 Uhr das Tagesziel die Forstkapelle „Maria Bild“, mitten im Wald zwischen Neustadt und Stadtallendorf gelegen.

An der Forstkapelle wurden die Pilger von Herrn Krapp, Pfarrarchivar und Kolpingbruder, erwartet um einige Infos um dieses „Kleinod“ zu erhalten.

Seit 125 Jahren besteht die Forstkapelle im Herrenwald – Einweihung war am 29. Juni 1895 mit fast 4.000 Gläubigen, wie Hans-Richard Krapp,  berichtet. Die Pläne für das Gotteshaus stammen von Professor Karl Schäfer, dem Architekten der Marburger Universität.

Die Bauzeit betrug damals ein Jahr – wobei der Neustädter Baumeister damals schlechte Arbeit leistete, mehrere Rüffel kassierte und letztendlich auch eine Strafe zahlen musste. Die Finanzierung des Projektes sei damals schwierig gewesen, erklärt Krapp: „Es war mühsam, das Geld zusammenzubekommen. Die letzten noch fehlenden Goldmark gab dann ein Herr Bacherach, ein jüdischer Mitbürger.“An der Finanzierung waren auch die Gemeinden am Katzenberg beteiligt und der damalige Pfarrer Kraiger war als einer der Zelebranden bei der Einweihung.

Doch schon viel früher waren Gläubige in den Wald gepilgert. Die „Wallfahrt nach Forst“ habe eine fast 400-jährige Tradition, so Krapp.

Die Kapelle ist in rotem Sandstein gefasst und mit ihren roten Säulen ein Augenschmaus inmitten des grünen Waldes. Im Mittelpunkt der Kapelle befindet sich die Pieta.

Bis heute finden an dieser Stätte Gläubige zum gemeinsamen Gebet und Gottesdienst ein.Hier in der freien Natur, unter dem grünen Blätterdach und dem rauschenden Wind, kann man die Schöpfung Gottes ganz besonders spüren. Das konnte an diesem späten Nachmittag und Abend die Pilgergruppe ebenfalls beim gemeinsamen Gottesdienst mit Kaplan Alexander Rothermel erfahren.

Den Abschluss der 14. Fusswallfahrt bildete, wie immer, ein kurzer Tagesrückblick und ein Lichterimpuls in der aufkommenden Dämmerung.

Reinhold Konle

14. Fußwallfahrt der Pfarrgemeinde St. Michael. Ruhlkirchen