Am Anfang und am Ende steht ein Wort

Einmal bin ich auf ein Gedicht von Hilde Domin über das schwarze Wort gestoßen. In ihrem Gedicht beschreibt die Autorin die Kraft, die ein Wort hat. Auch wenn ein Wort, wie oft unbedacht ausgesprochen wird, trifft es doch das Herz. Die Dichterin vergleicht das Wort mit einem Messer, aber sie sagt auch: „Besser ein Messer als ein Wort. Ein Messer kann stumpf sein. Ein Messer trifft oft am Herzen vorbei. Nicht das Wort.“

Manchmal reicht ein Wort, ein Satz oder ein Bild, um einen Menschen ins Glück oder Unglück zu stürzen. „Trigger“-Effekt nennen die Psychologen das.

Jede von uns hat schon Worte gesagt, die ihre Wirkung gezeigt haben. Wie oft versteht der Zuhörer etwas anders als wir es gemeint haben. Er kann gekränkt sein wegen etwas, was wir gar nicht beabsichtigten. Sehr leicht kann auch ein Streit entstehen, durch ein unbedachtes Wort. Andererseits kann ein Wort trösten, versöhnen und Frieden schaffen. 

Die Bibel weiß ebenfalls um die Wirkmacht des Wortes. Durch Gottes Wort, das am Anfang war, sind Himmel und Erde erschaffen worden. Über das gleiche Wort haben wir gestern an Weihnachten am Beginn des Johannesevangeliums gehört: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“.

Heute hören wir eine Rede von Stephanus. Ob er darum wusste, wie seine Rede wirken würde? Das wissen wir nicht. Aber die Menge ist aufgebracht und die Stimmung in der Menschenmenge entlädt sich in der Steinigung des Heiligen. Wir können uns eine Frage stellen, ob er nicht vorsichtiger sein könnte in seiner Wortwahl?  Ob er nicht besser etwas diplomatisch reden könnte? Aber er legt dar, dass das Volk Israel in seiner Geschichte oft den Willen Gottes nicht erkannt hat und jetzt erkennt das erwählte Volk auch nicht Jesus Christus als den Messias. Eine solche Rede ist Grund genug, um ihn zu steinigen. 

In Evangelium sagt Jesus uns, dass sich seine Jünger*innen keine Sorgen machen sollten, wenn sie vor Gericht gestellt werden. Jesus begründet seine Behauptung: Nicht ihr werdet reden, sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden. Damit wissen wir, wie wirksam diese Worte sein werden. Derselbe Geist, mit dem Gott die Welt geschaffen hat. Derselbe Geist, der in Jeus wirkt, ist derselbe Geist, der dem Stephanus die richtigen Worte eingegeben hat. Die Rede des Stephanus zeigt seine Wirkung.  

Pfarrer Balkiewicz, Pfarrvikar

Geistlicher Impuls zum Fest des Hl. Stephanus am 26. Dezember